Warum man Babys beim Schwimmen auf gar keinen Fall untertauchen sollte

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Der Babyschwimmkurs! Das Kind frühzeitig ans Wasser gewöhnen und am Ende lockt ein Fotoshooting unter Wasser!

Im Kurs wird erklärt, dass Babys einen natürlichen Reflex besitzen, der es möglich macht, dass sie einfach untergetaucht werden können, ohne dass etwas passiert.

Das klingt erstmal toll!

Aber warum schreibe ich dann, dass man Babys auf gar keinen Fall untertauchen sollte?

Bei dem besagten Reflex ist die Rede vom Atemschutzreflex oder Atemanhalte-Reflex. Der gehört in die Kategorie frühkindliche Reflexe und ist gleichzeitig ein Schutzreflex. Das bedeutet, dass er nur in Gefahr auftritt und nicht (wie viele andere frühkindliche Reflexe) in der täglichen normalen Entwicklung aktiv ist.

Wie alle frühkindlichen Reflexe ist er grundsätzlich nur eine gewisse Zeit lang aktiv. Der Atemschutzreflex ist etwa 6 Monate lang auslösbar.

Ausgelöst wird er durch die Benetzung des Gesichts mit Wasser.

Daraufhin hält das Baby den Atem an, um die Luftwege vor eindringendem Wasser zu schützen.

Das erste große Problem:

Grundsätzlich weiß man bei den frühkindlichen Reflexen nie so genau, ob sie überhaupt zeitgerecht entwickelt wurden und im passenden Alter aktiv sind.

Außerdem kann es sein, dass ein Reflex deutlich früher gehemmt oder integriert wurde, ohne dass man es mitbekommen hat.

Das bedeutet: auch wenn der Atemschutzreflex aktiv sein sollte, ist es möglich dass er es noch nicht oder nicht mehr ist!

Das wiederum führt dazu, dass der Schutz und die Sicherheit beim Untertauchen nicht gewährleistet sind und das Baby während des Untertauchens Wasser einatmen kann.

Und: ein Schutzreflex ist kein Reflex zum Spaß! Er sollte wirklich nur in Gefahr aktiv sein und nicht für Fotoshootings genutzt werden!

Die DLRG hat übrigens auch ein Merkblatt zum Babyschwimmen und den Gefahren im Wasser herausgegeben und spricht sich definitiv gegen das Untertauchen von Babys aus: Merkblatt der DLRG

Das zweite Problem aus Sicht der frühkindlichen Reflexe:

Im gleichen Alter ist auch der Moro-Reflex aktiv. Er kann durch jeden Reiz ausgelöst werden – zum Beispiel auch durch das Untertauchen – bei dem sich das Baby erschreckt.

In seiner 1. Phase zeigt der Moro-Reflex eine Schreckreaktion: die Arme werden hochgerissen und es folgt eine schnelle EINATMUNG.

Ist zu diesem Zeitpunkt der Kopf des Babys durch das Untertauchen unter Wasser, atmet das Kind Wasser ein.

Der Moro-Reflex kann wie alle frühkindlichen Reflexe persistieren und länger als sein eigentlich angedachter Zeitraum aktiv sein.

Dadurch kann es dazu kommen, dass auch (deutlich) ältere Kinder noch große Schwierigkeiten haben, den Kopf unter Wasser zu tauchen.

Empfehlung:

Niemals den Kopf eines Babys unter Wasser tauchen! Auch wenn die Kursleitung sagt, dass das kein Problem sei und ihr eurem Kind durch das nicht-Untertauchen etwas vorenthaltet!

Das Ertrinken ist nach wie vor die häufigste Todesursache bei Kleinkindern!

Bei Lütt und Safe findet ihr noch mehr Tipps und Hinweise zum Umgang mit Wasser bei Kindern.

Mein Tipp:

Niemals über die Grenzen eines Kindes hinausgehen. Damit handelt man übergriffig, was sich schlimmstenfalls auf die Beziehung zu eurem Kind auswirken kann.

Nach meinem Beitrag bei Instagram haben mir einige geschrieben, dass ihre Kinder nach dem (ach so sicheren) Untertauchen gebrüllt und sich verschluckt haben und teilweise traumatisiert kein Schwimmbad mehr betreten wollten.

Das kann definitiv nicht Sinn der Sache sein! Kinder sollen lernen, sich sicher im Wasser zu bewegen und vor allem auch Gefahren einschätzen zu können!

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